The Tracey Fragments - DVD Kritik

von Dominik Keppner / veröffentlicht am 5. Juni 2009

DVD FrontcoverFast zweieinhalb Jahre nach seiner Weltpremiere bei der Berlinale 2007 erscheint "The Tracey Fragments" nun in Deutschland am 5. Juni 2009 in einer lokalisierten Fassung auf DVD. Der Film von Bruce McDonald wurde darüberhinaus schon auf vielen Festivals und Events auf der ganzen Welt gezeigt, hat aber aufgrund der vielen anderen hochkarätigen Werke mit der Hauptdarstellerin Ellen Page oft nicht die Anerkennung und Beachtung gefunden, die er verdient hat. Im folgenden Artikel stelle ich Euch nocheinmal die zugrundeliegende Story kurz vor und gehe auf die deutsche DVD hinsichtlich Technik und Austattung ein.

Story

Das Drama basiert auf der Novelle von Maureen Medved, welche im Mai 1998 zum ersten Mal veröffentlicht worden ist. Die Geschichte dreht sich um die 15 jährige Tracey Berkowitz, die gerade eine schwierige Phase in ihrem Leben durchmacht. Von den Eltern mißverstanden und ignoriert, von den Mitschülerin gemobbt und ausgegrenzt, dazu noch unglücklich verliebt und oft in der eigenen Fantasiewelt gefangen - so gestaltet sich der Alltag des jungen Mädchens. Einziger Lichtpunkt ist ihr jüngerer Bruder Sunny, zu dem sie ein besonderes Verhältnis pflegt und der Auslöser für eine ganze Reihe von Ereignissen werden wird. Als dieser nämlich bei einem gemeinsamen Ausflug in die Natur anscheinend spurlos verschwindet, begibt sich Tracey auf eigene Faust auf die Suche nach ihm und durchlebt eine Odysee, die so bestimmt nicht geplant war...

Wie bereits zu sehen ist (beziehungsweise wie ich auch schon in meiner ausführlichen Filmkritik erwähnt habe) bringt die Story alleine wenig Neues und klingt relativ unspektakulär. Was den Film aber dennoch reizvoll macht, sind zum einen die ohne Zweifel brilliante Hauptdarstellerin und zum anderen die eingesetzte Bild-in-Bild Technik, die dem Filmtitel alle Ehre macht. Ellen Page zeigt hier abermals viele Facetten ihres schauspielerischen Talents - mal mutig und forsch, mal ängstlich und verletzlich, mal naiv und verwirrt. Die junge Kanadierin versteht es wie keine Zweite ihre Rollen zu spielen, sich in die Charaktere hineinzuversetzen und diese für den Zuschauer authentisch und glaubwürdig zu gestalten. Obwohl wir einem Mädchen wie Tracey auf offener Strasse wohl mit viel Abstand und Vorsicht begegnen würden, schafft sie es, dass man stellenweise mit der Figur symphatisiert oder gar Mitleid hat; sprich das sie uns in einer bestimmten Weise berührt. Der Film lastet nahezu über die komplette Distanz von 77 Minuten auf den Schultern seiner Hauptdarstellerin - sein Erfolg steht und fällt mit ihr - doch "Ellen Page ist eine der wenigen Ausnahmeerscheinungen, die in allem, was sie anpackt, brilliert" (Zitat: New York Observer) und den Druck sowie die Herausforderung mit Bravour meistert.

Während die einzelnen Szenen im Frühling 2006 im kanadischen Toronto in nur 14 Tagen mit minimalen Geldmitteln (die Crew hatte kaum Geld um sich Fahrkarten für den Bus zu leisten) und eher bescheidener, technischer Ausstattung gedreht worden sind, dauert die Nachbearbeitung (Post-Production) des Films mehrere Monate. In dieser Zeit wurde das Material mit der Software "Final Cut Studio 2" von Apple editiert und die Fragment-Technik angewendet. Anstelle eines einzelnen Bildausschnittes, sieht man im Endeffekt mehrere kleinere Filmschnipsel, welche entweder die aktuellen Geschehnisse aus einer anderen Perspektiven / einem anderen Kamerawinkel zeigen oder vorherige Szenen einfach weiterlaufen lassen während in einem anderen Fragment schon etwas Neues folgt. Gelegentlich werden aber auch einfach nur Bilder oder Gegenstände eingeblendet, die dann die Gedankengänge von Tracey wiederspiegeln sollen. Dadurch wirkt der gesamte Bildschirm auf den ersten Blick oft überfrachtet und der ein oder andere Zuschauer wird sich vielleicht überfordert fühlen, weil er nicht alle Ausschnitte auf einmal ansehen kann. Doch letztendlich verpasst man nie ein entscheidendes Element in der Handlung und hat genügend Zeit die einzelnen Fragmente in Augenschein zu nehmen.

DVD BackcoverDVD - Technik

Das Bild der DVD ist in Ordnung und ist auf dem Niveau der bereits vorhandenen Versionen aus den USA und Kanada. Trotz der Tatsache, dass es sich um eine Independent-Produktion handelt, haben die einzelnen Szenen eine gute Schärfe und auch das Bildrauschen bei dunklen Szenen hält sich in Grenzen. Hier macht sich wohl die monatelange Nachbearbeitung des Filmmaterials positiv bemerkbar. Lediglich zwei kleine graue, flackerende Streifen am rechten oberen Bildrand, die besonderes bei dunklen Szenen am heimischen PC im Vollbildmodus auffallen, stören den ansonsten guten Gesamteindruck. Ob dies nur bei meinem Testmuster der Fall ist und bei der finalen Verkaufsversion behoben wurde, konnte bis zum Verfassen dieses Textes leider noch nicht in Erfahrung gebracht werden.

Der Ton liegt sowohl bei der deutschen als auch bei der ursprünglichen englischen Variante im Dolby Digital 5.1 Format vor. Da das Ganze allerdings sehr dialog- beziehungsweise monolog-lastig ist, gibt es im Audio-Bereich aber auch gleichzeitig keine höheren Anforderungen. Die deutschen Sychronsprecher sind insgesamt betrachtet gut gewählt. Wenn mich meine Ohren nicht ganz täuschen, wird Ellen erneut von Anja Stadlober gesprochen, die ihr bereits in "X-Men: Der letzte Widerstand" ihre Stimme gelingen hatte.

DVD - Bonusmaterial

Bei der Ausstattung hat man sich an den Editionen aus Übersee orientiert und spendiert der Silberscheibe neben einem deutschen und englischen Trailer auch ein Behind-the-Scenes Special, welches ebenso wie der Hauptfilm optional mit deutschen Untertitel versehen werden kann, sowie einem rund 10 minütigen Featurette mit einigen Clips vom Re-Fragmented Wettbewerb. Hier hatte das Team um McDonald Ende 2007 nahezu das gesamte Filmmaterial freigegeben und zugänglich gemacht, so dass die interessierten Filmfreunde eigene Videos rund um Tracey erstellen konnten. Die Besten wurden dann schließlich mit auf die DVD gepackt.

DVD - Alterseinstufung und Cover

Obwohl die FSK Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (www.spio.de) am 14. April 2009 einer FSK12 Einstufung zugestimmt hatte, entschied man sich am Ende für eine Altersfreigabe ab 16 Jahren. Dadurch nähert man sich mehr dem amerikanischen und kanadischen R Rating, was aufgrund der "dirty" Sprache, den vielen F-Wörtern und ein wenig nackter Haut auch nachvollziehbar ist.

In diesem Zusammenhang kann man das blaue Logo auf dem Vorderseite der Hülle allerdings ganz einfach verschwinden lassen. Wie zahlreiche andere Anbieter kommt auch Koch Media dem Wunsch unzähliger DVD Sammler nach und bietet ein Wendecover an (eine Seite mit FSK Logo, die andere Seite ohne).

Fazit: Von den kleinen Fehlern am oberen Bildrand des Hauptfilms einmal abgesehen, ist das Release durchaus gelungen und ist bereits für faire 13 Euro im Handel erhältlich. Für mich persönlich rangiert "The Tracey Fragments" in der gleichen Liga wie "Hard Candy" und "Juno" und gehört zu den besten Filmen mit Ellen Page!

Vielen Dank an Frau Falcenberg von der Koch Media GmbH für die Zusendung des Testexemplars!



Letztes Update: 11.11.2017 Twitter  Facebook  YouTube  Instagram  Tumblr  Spende  HiStats © 2006-2017 TeamEPO
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