Hard Candy - Filmkritik

von Dominik Keppner (02.07.2006)

Hard Candy Kinoticket

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Samstag, 01.07.2006, der Kinosaal 5 im Karlsruhe Kino am ZKM ist vielleicht mit 40 Menschen besucht, alle sind gespannt auf “Hard Candy”, der nach dem Werbevorspann dann endlich um 23:15 Uhr beginnt.

Zu Beginn treffen sich “Thonggrrrl” (Hayley) und “Lensman” (Jeff) wieder einmal im Chat. Nach dem anfänglichen Flirt vereinbaren sie ein Treffen in einem Café und lernen sich zum ersten Mal persönlich kennen. Sie plaudert von der Schule und ihren Hobbys, er von seinem Beruf und seinen Hobbys. Die Sympathien für den anderen scheinen bei beiden vorhanden zu sein und so kommt es, dass Hayley schon kurz daraufhin in Jeffs Wagen sitzt und mit ihm nach Hause fährt. Dort angekommen erfährt die 14jährige noch mehr über Jeffs Arbeit als Fotograf und erkundet die Wohnung. Leicht angetrunken von den Drinks, die Hayley für sich und Jeff zuvor gemixt hatte, wird sie immer lockerer und beginnt schließlich für Jeff zu posieren. Plötzlich wird diesem schwarz vor Augen und kippt um. Als er wieder erwacht, findet er sich gefesselt auf einem Stuhl wieder. Aus dem gemütlichen Nachmittag wird auf einmal ein Psychokrieg der besonderen Art, denn Hayley ist nicht gekommen um Spaß zu haben. Sie stellt schwere Anschuldigen an Jeff und will Antworten...

Um eines vorweg zu nehmen, der Film hält was die Kritiken versprechen! Alles beginnt ganz harmlos mit einem Treffen zweier Menschen, die sich über das Internet kennen gelernt haben. Sie flirten und reden miteinander und der ahnungslose Zuschauer glaubt schon zu wissen, was nun als Nächstes kommt. Doch weit gefehlt, denn als Jeff auf einmal gefesselt erwacht, dreht sich die Situation um 180 Grad und die harmonische Atmosphäre kippt. Nun beginnt ein Psychokrieg der härteren Gangart, bei dem sich Jeff hilflos der doch nicht so unschuldigen Hayley Stark ausgeliefert sieht. Während sich die beiden Protagonisten verbal aufs Heftigste bekämpfen, treibt der Film durch schnelle und dramatische Schnitte die Story voran und bringt immer wieder neue Beweise und Fakten ins Spiel. David Slade versteht es dabei, dass die Sympathien für die ein oder andere Seite stets wechselt und reißt das Publikum hin und her. Man weiß bis zum Ende nicht wem man glauben soll, wer im Recht und wer nun tatsächlich unschuldig ist. Das verdankt der Film vor allem seinen brillanten Darstellern, allen voran Ellen Page als Hayley. Diese spielt Hayley mit einer solchen Präzision und Emotionslosigkeit, dass es eine wahre Freude ist ihr zu zusehen. Aber auch Patrick Wilson weiß Jeff gut in Szene zu setzen und besonders die Männer werden im wohl jede Schweißperle im Gesicht abkaufen. Jeffs Haus ist modern und neutral eingerichtet und gibt kaum Details über den jungen Mann preis - ein weiteres Stilmittel, dass gekonnt eingesetzt wurde. Trotz des Horror und Psychoszenarios lässt es sich der Streifen nicht nehmen, sich auch von seiner humorvollen Seite zu zeigen. So ist bei dem ein oder anderen Spruch von Hayley schon einmal kollektives Lachen im Kinosaal zu hören. Interessant ist auch die Anspielung auf Jodie Foster, die ja ein großes Vorbild für Ellen Page ist. Irgendwann hat man das Gefühl, dass es das nun war, dann jedoch legt der Film noch einmal los und läutet einen weitere Runde zwischen den beiden Charakteren ein. Letztendlich hat man jedoch einfach das Gefühl, dass alles passt und man über 100 Minuten bestens unterhalten wird.

Wer denkt, dass bei einem Film, der in nur 18 Tagen gedreht wurde und bei dem gerade mal 6 Darsteller mitwirken, wenn man das Mädchen, dass anfangs die Toilette verlässt mitrechnet, nichts dabei herauskommen kann, liegt weit daneben. Der Film ist spannend bis zum Schluß und beantwortet auch erst in den letzten Sekunden die wichtigsten Fragen. Die Story wirkt durchdacht, hat keine Längen und scheint von der ersten Minute an ausgeklügelt zu sein. Eines sei verraten, alles wird dem Zuschauer nicht auf dem Silbertablett serviert, es bleibt immer noch die ein oder andere Frage offen, die nach dem Kinobesuch diskutiert werden kann und auch soll.
Meiner Meinung nach, hat der Film zurecht die FSK18 Einstufung erhalten. Denn die gezeigten Situationen und auch die Sprache sind absolut nichts für Jugendliche. Die kommen bei dem Film allerhöchstens auf falsche Gedanken.

ellen-page.net gibt diesem Film 10 von 10 Sterne. Warum? Zum einen ist es sensationell wie alleine Ellen und Patrick den Film tragen und den Zuschauer in Atem halten. Aber auch die brillante und intelligente Story, die die Spannung zur großen Freude des Zuschauers wirklich bis zu den letzten Sekunden hoch hält, lässt den Thriller in einem positiven Licht erscheinen. Zur Zufriedenheit des Kinofreunds werden einem zum Ende die meisten Fragen beantwortet, aber eben nicht alle, was auch ganz gut ist. So bleibt nämlich genügend Spielraum für Diskussion und eigene Interpretationen. Bleibt nur zu sagen, dass “Hard Candy” es absolut verdient hat gesehen zu werden und einer der besten Film von Ellen ist und sein wird!
Letztes Update: 11.11.2017 Twitter  Facebook  YouTube  Instagram  Tumblr  Spende  HiStats © 2006-2017 TeamEPO
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